Ziele unserer Projektarbeit

Partnerprojekte und SDGs

Kinder sind Zukunft. Kinder zu bilden, zu fördern und ihnen beim Erwachsenwerden zur Seite zu stehen eröffnet individuelle Chancen und bewirkt gesellschaftlichen Wandel. Deswegen unterstützen wir Projekte, die den Kindern Boliviens neue Perspektiven geben.

Hier könnt ihr nachlesen, in welchen SDG-Bereichen die Projekte arbeiten.

Die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs, „Sustainable Development Goals“)  gehören zur Agenda 2030 der UN, die 2015 beschlossen wurde. Ziel ist es, auf der ganzen Welt nachhaltiges Handeln in allen Bereichen voranzutreiben, um die natürlichen Ressourcen zu schützen und allen Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Alle Staaten sollen ihr Handeln auf diese SDGs ausrichten. In Bolivien finden sich die 17 SDGs im nationalen Plan „Patriotische Agenda 2025“ bzw. im nationalen Entwicklungsplan PDES („Plan de Desarrollo Económico y Social“) wieder.

SDG 1: Keine Armut.

SDG 1: Keine Armut

Die Zukunft in die Hand nehmen

Bildung schafft Perspektive: als Fußballprofi, Arzt oder Ärztin, Anwalt und Anwaltin

Das Ziel besagt: Armut in allen Formen überall beenden. Es steht an erster Stelle der 17 Ziele, da es mit allen anderen Zielen in Verbindung steht: Armut bedingt Hunger, Gesundheit und Wohlbefinden genauso wie den Zugang zu Bildung. Armut bedeutet, dass grundlegende materielle und immaterielle Bedürfnisse nicht befriedigt werden können.

Fakten zu Bolivien: Bolivien hat in den letzten Jahren große Fortschritte bei der Reduzierung der Armut gemacht. Während im Jahr 2000 die Zahl der Menschen, die in Armut leben noch bei 66% lag, ist diese Zahl mittlerweile auf ca. 34.6% (Zahlen von 2018) zurückgegangen. Dennoch gehört das Land damit zu einem der ärmsten Länder in Südamerikas. Der GINI-Index, der die Gleichverteilung von Einkommen anzeigt, liegt für Bolivien bei 42,2%, dies bedeutet, dass das Einkommen sehr ungleich verteilt ist. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich und städtischer und ländlicher Bevölkerung sind weiterhin sehr groß.

Die Arbeit der Projekte: Die Projekte arbeiten vor allem mit Kindern aus Familien, die unter sehr prekären Bedingungen leben. Die Eltern haben oft wenig Schulbildung und arbeiten im informellen Sektor. Das bedeutet, dass sie keinen festen Arbeitsvertrag haben, sich selbständig als Verkäufer von Waren auf der Straße oder auf dem Markt verdingen oder mit Hilfsarbeiten. Die Familien haben keine Möglichkeiten zu sparen und leben von den täglich verdienten Geld. Wie wenig krisensicher dies ist, zeigt sich aktuell unter der Corona-Pandemie, die viele Menschen erneut an die Armutsgrenze bringt. Die Projekte geben den Kindern eine Möglichkeit für ihre freie Entfaltung, fördern nicht nur ihre Schulbildung, sondern auch die kognitiven, motorischen und sozialen Fähigkeiten. Sie  lernen, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und v.a. durch den Zugang zu Bildung eine bessere Zukunft haben. Auch die Familien werden durch die Projekte mit einbezogen, z.B. indem Workshops für die Mütter angeboten werden, wie Alphabetisierung oder Erlernen eines Handwerks, durch das sie sich ein Einkommen erschaffen können.

SDG 2: Kein Hunger.

SDG 2: Kein Hunger

Verteilen von Lebensmitteln während des Corona Lockdown im Mai 2020

Mittagessen im Projekt CEMVA

Das Ziel besagt: Den Hunger beenden. Jeder neunte Mensch auf der Welt leidet Hunger, jeder 4. Mensch leidet unter einem dauerhaften Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen. Besonders für Kinder ist dies dramatisch, da sie körperliche und geistige Entwicklungsstörungen erfahren können.

Fakten zu Bolivien: Im „Welthungerindex“ rangiert Bolivien auf Platz 62 von 107 Ländern und wird mit „mäßig“ beschrieben. Schaut man auf die Zahlen, so ist die Zahl an Kindern die unterernährt sind seit dem Jahr 2000 deutlich gesunken, auch die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter 5 Jahren ist mit 2,6% relativ gering. Das Problem liegt eher auf der Mangelernährung, d.h. wenig ausgewogene Ernährung, die zu Wachstumsstörungen und Entwicklungsproblemen führen kann.

Die Arbeit der Projekte: Der Mittagstisch ist in den Projekten CEMVA und Musuq Sunqu ein zentraler Bestandteil. Viele der Kinder bekommen zuhause keine warme Mahlzeit, weil die Familien sich die Lebensmittel dafür nicht leisten können, oft fehlt es auch an Kenntnissen zum Thema Ernährung. Ein weiteres Problem ist das Thema der Mangelernährung – zuviel Zucker und wenig Vitamine durch wenig ausgewogenes Essen fordern mit zumindest schlechten Zähnen im schlimmeren Fall jedoch mit Entwicklungsstörungen  oder anderen vermeidbaren Krankheiten Tribut. So legen die Projekte nicht nur Wert auf einen ausgewogenen Mittagstisch, sondern auch darauf die Kinder und ihre Familien aufzuklären, z.B. mit Projekttagen oder Aktivitäten wie Basteln zum Thema Ernährung, gemeinsames Kochen.

SDG3: Gesundheit und Wohlergehen.

SDG 3: Gesundheit

Zähneputzen im Projekt Musuq Sunqu

Zahnarztpraxis im Projekt CEMVA

Das Ziel besagt:

Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und Wohlergehen fördern. Ohne Gesundheit kann ein Mensch nicht arbeiten bzw. seine Armut überwinden, aber Gesundheit ist kaum möglich ohne ausreichende und ausgewogene Ernährung. Schlechte Hygiene-, und Wasserversorgung spielen hier ebenso mit hinein wie der fehlende Zugang zu ärztlicher Versorgung.

Fakten zu Bolivien: In Bolivien leben ca. 5.8 Mio. Menschen ohne Krankenversicherung. Behandlungen müssen privat bezahlt werden oder durch private Krankenversicherungen, die sich gerade die ärmeren Menschen nicht leisten können. Kinder bis 5 Jahre erhalten eine Gesundheitsvorsorge, inklusive Impfungen. Anfang 2019 wurde angekündigt, dass in Zukunft eine staatliche Krankenversicherung für jeden Bolivianer zur Verfügung stehen soll. Dies befindet sich aber noch in der Umsetzung und wurde durch die politischen Unruhen 2019/2020 noch nicht weiter realisiert. Zudem ist das Gesundheitssystem schlecht ausgestattet, die Ausbildung der Ärzte ist international nicht qualitativ hochwertig.

Die Arbeit der Projekte:

Die Projekte beraten die Familien, weisen Eltern darauf hin, wenn sie im täglichen Umgang mit den Kindern Krankheiten oder Auffälligkeiten feststellen. Über unser Patenschaftsprogramm können wir einen Zuschuss zu Behandlungen, Arztbesuchen oder Medikamenten leisten. Das Projekt CEMVA hat ein eigenes Gesundheitszentrum, wo die Kinder des Projekts behandelt werden können. Auch über den Mittagstisch (s.o.) leisten die Projekte einen Beitrag zur Gesundheit der Kinder.

SDG 4: Hochwertige Bildung.

SDG 4: Hochwertige Bildung

Projekttage im CEMVA zu Kinderrechten

Hausaufgabenbetreuung Musuq Sunqu

Das Ziel besagt: Eine inklusive, hochwertige und gleichwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lebens fördern. Bildung gilt als der Schlüssel schlechthin, den Kreis der Armut zu durchbrechen.

Fakten zu Bolivien: Es gab in den letzten Jahren zwei signifikaten Refomationen des bolvianischen Bildungssystems, die u.a. die Gründung von Privatschulen ermöglichte und die mehrsprachige Bildung fördert. Durch eine große Alphabetisierungskampagne gilt Bolivien heute frei von Analphabetismus. Die Qualität der Bildung unterscheidet sich stark, je nachdem ob es sich um Privatschulen oder staatliche Schulen handelt (siehe dazu auch unser Artikel https://www.bkhw.org/2021/01/24/bildung-in-bolivien/). Wir sehen dies als größtes Problem, dass die Schüler zwar einen Zugang zur Schule haben, die Vermittlung des Wissens aber oft auf qualitativ veralteten Methoden beruht , und wenig nachhaltig ist.

Die Arbeit der Projekte:

Das BKHW unterstützt daher Projekte, die das Lernen der Kinder fördert. Dazu gehören Hausaufgabenbetreuung, individuelle Lernförderung, Frühförderung. Sie beaufsichtigen die Kinder bei den Aufgaben und beim Lernen, schaffen zusätzliche Lernangebote und motivieren die Kinder in der Schule dranzubleiben. Auch die Familien insgesamt werden in den Projekten miteinbezogen. Sei Eltern müssen die Kinder ebenfalls motivieren, gute Leistungen zu erbringen, doch dafür müssen sie die Wichtigkeit der Bildung anerkennen. Auch für die Eltern, v.a. die Mütter werden Bildungs-Angebote geschaffen – sei es im Bereich der Erziehung der Kinder, im beruflichen Bereich (Nähkurse, Backkurse etc.) oder Alphabetisierungskursen.

Melanie EhrlichZiele unserer Projektarbeit