Was motiviert uns?

Bolivien und das BKHW

Es ist nicht einfach das Land im Herzen Südamerikas zu beschreiben. Sucht man im Netz nach „Bolivien“, so finden sich auf den malerischen Fotos vielfältige Landschaften auf einer Fläche, die dreimal so groß wie Deutschland ist: schneebedeckte Andenberge, weite Ebenen mit Lamas, mit dem Titicacasee einen der größten Binnenseen der Erde; die größte Salzwüste der Erde den Salar de Uyuni; Regenwälder und Amazonasgebiet; pittoreseke Kolonialstädtchen wie Sucre. Bolivien-Reisende sind davon fasziniert, bedient das Land doch viele Vorstellungen von Südamerika. Schaut man jedoch genauer hin, ergibt sich ein sehr komplexes und vielschichtiges Land welches im Aufbruch ist, aber noch in vielen Aspekten mit seiner Vergangenheit aus Kolonialgeschichte und Unabhängigkeit kämpft. So gegensätzlich wie die Landschaften sind auch die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen indigenen Wurzeln und modernen Leben; Hochland und Tiefland (und die Menschen, die mit den Begriffen „collas“ und „cambas“ diese Unterschiede betonen), äußerst verschiedenen politischen Gedanken und Bewegungen; großen Unterschieden zwischen Stadt und Land.

Sucht man Bolivien bei Wikipedia, steht sogleich im zweiten Satz des Eintrags, Bolivien gelte als das ärmste Land Südamerikas und belegte im Jahr 2019 Platz 114 von 189 Ländern im Index der menschlichen Entwicklung. Das ist ein Fakt und natürlich auch ein Grund für unsere Arbeit im Verein. Es ist uns aber ein Anliegen, das Land in all seiner Vielfältigkeit zu betrachten und zu verstehen, was nicht immer einfach ist.

Das BKHW ist aus dem Gedanken der Freundschaft und dem gegenseitigen Austausch entstanden und dies ist der Leitgedanke, der uns auch heute noch wichtig ist. Wir freuen uns weiterzuführen: mit einem engagierten Team und tollen Menschen, die uns fördern und unterstützen.

Die beiden wichtigsten Säulen unserer Arbeit sind dabei zum einen die Unterstützung der Partnerprojekte. Unsere zur Zeit 5 Projekte können seit Jahren auf unsere kontinuierliche Unterstützung zählen, bzw. auf die Unterstützung unserer Spender und Fördermitglieder. Alle 5 Projekte sind eigenständige Projekte, die teilweise mit Hilfe des BKHW und anderen Unterstützern gegründet wurden. Sie arbeiten größtenteils eigenverantwortlich, erstatten uns Bericht über die Aktivitäten.

Die zweite wichtige Säule unserer Vereinsarbeit ist der Freiwilligendienst. Lange Zeit basierte dies vor allem auf der Entsendung deutscher Freiwilliger nach Bolivien, seit dem Jahr 2008 konnten wir über den weltwärts Freiwilligendienst bis zu 40 junge engagierte Jugendliche in Projekte in ganz Bolivien entsenden. Seit dem Jahr 2014 hat das weltwärts Programm auch eine Süd-Nord Komponente und es ist uns seitdem möglich, endlich auch Freiwillige aus Bolivien in Deutschland zu empfangen und den Gedanken des gleichberechtigten Austauschs sehr viel mehr umsetzen als zuvor.

Unser Motto GLOBAL lernen – NACHHALTIG entscheiden – SELBSTBESTIMMT handeln soll dabei als Leitmotiv für alle Tätigkeitsbereiche dienen. Nicht nur die Freiwilligen lernen globale Zusammenhänge, auch wir als Team lernen interkulturell, transglobal jeden Tag aufs Neue. Nachhaltig entscheiden müssen die Projekte selbst in den verantwortungsvollen Ausgaben der Spendengelder, das Team in der täglichen Arbeit in Projektunterstützung und Freiwilligenarbeit. Selbstbestimmtes handeln wollen wir als BKHW unseren Freiwilligen vorleben. Dies ist unsere Vision – das heißt natürlich nicht, dass das immer klappt. Wir alle sind in einem ständigen Lernprozess und haben immer wieder aufs Neue die Möglichkeit unser Handeln zu verbessern, anzupassen oder zu korrigieren.

Mit dieser Vision möchten wir den Vereinszweck erfüllen. Und zwar, ohne einer politischen Agenda folgen. Aus diesem Grund möchten wir gerne auf Artikel oder Medien hinweisen, ohne dass dies zwangsläufig unserer Meinung entspricht. Im Gegenteil möchten wir dazu gemäß unserer Version gerne anregen, sich selbst über Themen zu informieren, sich auszutauschen und jeden Tag dazuzulernen.

Über die Arbeit der Projekte

Kinder sind Zukunft. Kinder zu bilden, zu fördern und ihnen beim Erwachsenwerden zur Seite zu stehen eröffnet individuelle Chancen und bewirkt gesellschaftlichen Wandel. Deswegen unterstützen wir Projekte, die den Kindern Boliviens neue Perspektiven geben.

Die Akteure in Bolivien, die sich diesen Themas annehmen sind vor alle diese drei:

  • Zivilgesellschaftliche Initiativen, die keine staatliche Förderung bekommen. Die zivilgesellschaftlichen Einrichtungen sind auf Fremdfinanzierung angewiesen, von staatlicher Seite sind sie eher geduldet als gefördert. Eine offizielle Anerkennung zu bekommen (ähnlich einem Vereinsstatus in Deutschland), die personería jurídica (und damit offiziell agieren zu können, einen Bauplatz z.B. zu erhalten für den Neubau oder staatliche Gelder) ist noch bürokratischer als in Deutschland und kann Jahre dauern (und viel Geld kosten).
  • Staatliche Einrichtungen. Diese unterliegen strengen gesetzlichen Regulierungen und Vorgaben, die aber in der Realität nicht immer und überall eingehalten werden. Wir hören immer wieder, dass den Mitarbeitern staatlicher Einrichtungen monatelang keine Gehälter gezahlt werden. Zudem sind Angestellte oft schlecht ausgebildet und schlecht bezahlt.
  • Ein weiterer Teil der Einrichtungen wird von der Kirche gefördert, die in diesem Umfeld ein wichtiger Akteur ist.

Aus diesem Grund und den geschilderten Umständen brauchen die Projekte und Einrichtungen unsere Unterstützung. Schon viel konnte in den vergangenen Jahren erreicht werden – beispielsweise hat die langjährige Unterstützung des Projekts CEMVA dazu beigetragen, dass das Projekt mittlerweile für Kinder und Familien des ganzen Viertels Villa Armonía eine Anlaufstelle ist und in den Jahren seiner Existenz das Elend in dem Viertel deutlich gelindert hat sowie das ganze Viertel bereichert – das gilt genauso für die anderen tollen Projekte in Sucre wie Wiñay und Musuq Sunqu.

In Bolivien arbeiten wir mit unserer Partnerorganisation, der Fundación BKHW, eng zusammen. Sie ist der direkte Kontakt in die Projekte und unser Partner in der Arbeit mit dem weltwärts-Programm. Die Mitarbeiter kennen die Situation vor Ort, die rechtlichen Rahmenbedingungen und Chancen und Möglichkeiten zu helfen. In Rücksprache mit der Fundación entscheiden wir über die Verteilung der Mittel, kontrollieren die Verwendung und geben Inputs für die Verwendung.

Info

Unsere unterstützten Projekte sind Winay, CEMVA, Musuq Sunqu in Sucre; Casa Esperanza in La Paz. Das Programm La vida sigue unterstützt die Ausbildung von Jugendlichen in verschiedenen Städten.

Über das Thema Wirkung in der Projektarbeit

In der internationalen Entwicklungszusammenarbeit wird derzeit ein Thema besonders groß geschrieben: Wirkung. Nach vielen Jahren, in denen sehr viel Geld für Entwicklungshilfe in die falschen Hände, in die falschen Projekte und die falschen Personen geflossen ist, teilweise die Armut in den Ländern des globalen Südens noch verschärft hat, ist es sehr zu begrüßen, dass die Frage nach der tatsächlichen Wirkung nun gestellt wird. War es in der Vergangenheit oftmals für alle Beteiligten ausreichend, Geld gespendet zu haben und sich damit größtenteils zufrieden zu geben, so wird heutzutage viel mehr Wert gelegt auf eine nachhaltige Investition.

Aber wie misst man eigentlich Wirkung? Die ist auf verschiedene Art möglich: Sammeln von Geschichten der Kinder und Familien aus dem Projekt, Fallstudien oder Fotodokumentationen sind dabei ein erster Schritt, die höchste Kunst sind regelmäßige Befragungen, Tests oder Langzeitstudien. Verhältnismäßig kleine Organisationen, wie das BKHW, stehen damit allerdings vor einer Mammutaufgabe. So können wir z.B. eine breiter ausgelegte Studie nicht finanzieren. Und wie ist es zu bewerten, wenn z.B. Kinder, die eines unserer Projekte besucht haben, vielleicht heute trotzdem in Armut leben und keine Arbeit haben (denn das erklärte Ziel ist es, mit Bildung den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen).

Es steht außer Frage, dass die Hilfen für die Projekte in dem Moment Familien das Leben erleichtern, Kindern zu Essen geben oder das eine einfache Schulungsmaßnahme die Lebensgrundlage einer Familie bilden kann. Wir als Verein stehen vor der Herausforderung, unsere Arbeit zu überdenken und die Art der Hilfe, die wir nach Bolivien geben, zu überdenken. Das ist durchaus positiv zu bewerten, denn nur so können wir die Spenden unserer Unterstützer sinnvoller einsetzen. Dies wird ein Ziel in unserer Arbeit in den kommenden Jahren sein, das Thema Wirkung stärker in unserer Arbeit mitzudenken und somit auch den Projekten mehr an die Hand zu geben als Geld – sich selbst besser zu organisieren, die Bevölkerung vor Ort stärker in die Tätigkeiten einzubinden und auch, nicht auf Ewigkeit auf eine Unterstützung durch fremde Mittel angewiesen zu sein.

Wir haben als ersten Schritt unsere Arbeit als Grafik dargestellt – nicht nur für eine bessere Darstellung für unsere Unterstützer, sondern auch um unseren Status Quo festzustellen, unsere Erfolge und Potentiale zu sehen. Ein nächster Schritt wird sein, uns zu überlegen, wo wir hin wollen als Verein und welche Art von Unterstützung wir den Projekten geben wollen und was wir personell, fachlich und finanziell leisten können. Wir sind gespannt, wohin die Entwicklung geht und freuen uns über den Prozess und den Input unserer Mitglieder, Mitarbeiter und Unterstützer.

Melanie EhrlichWas motiviert uns?