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Interview mit dem Projekt Musuq Sunqu in Sucre – Arbeiten in der Corona Situation

Wir haben die Mitarbeiter des Projekts Musuq Sunqu gebeten, uns von der aktuellen Lage in Bolivien und den Auswirkungen auf ihre Arbeit zu berichten.

BKHW: Wie ist die aktuell Situation in Sucre? (Juni 2020)

Musuq Sunqu: Die Situation in Sucre ist sehr instabil. Nach mehr als zwei Monaten strenger Quarantäne haben wir letzte Woche mit einer dynamischen Quarantäne begonnen. Das war wahrscheinlich keine gute Entscheidung, weil die Fälle von COVID 19 seitdem auf sehr alarmierende Weise zugenommen haben. Diesen Montag sind wir in die Hochrisiko-Quarantäne zurückgekehrt, das heißt, Menschen können nur an einem Tag ausgehen, der von der Nummer des Ausweises abhängig ist. Nur Einrichtungen, die eine behördliche Erlaubnis haben, können bis zum Mittag rausgehen. Menschen über 65 und Kinder unter 12 Jahren dürfen gar nicht rausgehen. Aus diesen Gründen können viele Menschen nicht arbeiten, v.a. Menschen, die keinen festen Job haben, also diejenigen, die auf der Straße verkaufen, Menschen, die im Baugewerbe tätig sind, und viele andere.  Eine Folge war, dass viele Menschen aus der Stadt auf das Land gehen, weil in der Stadt die Situation für einige Familien nicht tragbar ist. Sie sagen, dass sie auf dem Land, zumindest von dem was sie gepflanzt haben, essen können.

BKHW: Wie ist die Situation der Kinder Kinder und Familien im Moment?

Musuq Sunqu: Die Kinder gehen nicht zur Schule, die Erzieher helfen ihnen, Hausaufgaben zu bekommen, und sie übernehmen im Prinzip die Arbeit der Lehrer. Die Kinder sind in ihrem Zuhause auf engstem Raum eingesperrt, Familien können nicht arbeiten, weil Erwachsene nur einmal pro Woche rausgehen können. Bei Nichtbefolgung der Maßnahmen droht eine hohe Geldstrafe. Für einige Familien ist die Situation extrem schwierig, insbesondere weil sich keine Lebensmittel kaufen können bzw. kein Geld verdienen können.

BKHW: Kann das Projekt Musuq Sunqu in Zeiten von Corona überhaupt arbeiten?

Musuq Sunqu: In der ersten Phase der Quarantäne haben wir das Projekt geschlossen, aber die Erzieherinnen unterstützten die Familien weiterhin, indem sie Lebensmittel verteilten, die wir gelagert hatten für den Mittagstisch. hatten. Das BKHW hat ja auch mit Lebensmittel im Projekt und in der Region unterstützt. Wir haben die Häuser der Kinder besucht, das Bewusstsein für die Situation geschärft und sie über die Maßnahmen aufgeklärt –  insbesondere empfohlen, dass Eltern darauf achten sollen, dass die Kinder ihre Häuser verlassen. Dies war sehr schwierig, da viele Familien in einem einzigen Raum leben wo Küche, Schlafzimmer, Esszimmer in demselben Raum stattfindet. Unter diesen Bedingungen ist es sehr schwer zu verlangen, dass die Leute zu Hause sind. Mit dem Team haben wir erneut festgestellt, wie wichtig der Musuq für Kinder ist. Es ist wie ihre Flucht, ihre besondere Ecke, an dem sie einen sauberen und komfortablen Ort zum Lernen haben.

Vor ungefähr einer Woche wurde in Bolivien ein Gesetz zur virtuelle Bildung genehmigt, d.h. Klassen und Hausaufgaben werden online erledigt. Dies hat unsere Familien in eine schwierigere Situation gebracht: die meisten Mütter können kaum Schreiben und Lesen können, jetzt kommt Fernunterricht und sie haben nicht die Möglichkeit, Informationen, Anweisungen von den Lehrern zu erhalten, da nicht alle ein Smartphone haben, geschweige denn einen PC haben oder damit umgehen können. Das war für viele Familien wie ein Eimer kaltes Wasser. Wir stehen also vor einem Szenario, in dem wir im Musuq-Zentrum keine Kinder haben können, weil es sonst Sanktionen gibt. Deshalb haben wir uns alle entschlossen, zu den Kindern hinzugehen. Die Pädagogen haben die Lehrer der Schulen kontaktiert, um die Aufgaben der Kinder zu erhalten, damit sie auf die Aufgaben zugreifen können, und es sind unsere Pädagogen, die nun die Aufgaben in kleinen Gruppen, in einigen Fällen im Freien oder einem ausgeliehenen Raum an die Kinder vermitteln, ihnen helfen.

Das ganze Team fängt sehr früh am Morgen an, wir treffen uns im Musuq, wir besprechen die Aufgaben, dann gehen wir in die Nachbarschaft. Wir haben das Gebiet in 4 Gruppen aufgeteilt. Mittags müssen wir diese Arbeit beenden, da dann auch für uns die Ausgangssperre wieder greift. Aus der Familie kommt dann eine Person um das Mittagessen für die Kinder abzuholen.

BKHW: Welche Maßnahmen ergreifen die Mitarbeiterinnen, um sich selbst zu schützen?

Musuq Sunqu: Wir haben Masken für Kinder und Pädagogen genäht. Wir achten sehr darauf, regelmäßig Hände zu waschen und Materialien zu desinfizieren. Wir versuchen, es Kindern den Kindern zur Gewohnheit zu machen, dies auch zu tun. Wir haben sogar Sicherheitsanzüge für das Team erworben, das wurde vom  Gesundheitsamt empfohlen  empfohlen und wir  gehen nun wie die Geister ganz in weiß umher.

Melanie EhrlichInterview mit dem Projekt Musuq Sunqu in Sucre – Arbeiten in der Corona Situation

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„Zusammenhalten macht stark – im Stadtteil und über Grenzen hinweg! Davon bin ich überzeugt“. Dieses Zitat von Frau Arenskrieger, Leitung Öffentlichkeitsarbeit des EKiZ Stuttgart, macht Mut in diesen schwierigen Zeiten. Das EKiZ ist Einsatzstelle für unsere Süd-Nord Freiwilligen aus Bolivien. Auf dem Sozialen Marktplatz der Stadt Stuttgart, kam der erste Kontakt zustande und kurz darauf