Meine Patentochter Marina und ich

von Hannah Rotzinger

        
© Hannah Rotzinger    

Als ich damals meinen ersten Tag im Kinderheim Santa Clotilde in Sucre verbrachte, führte mich die leitende Nonne herum und als wir an den Raum der Hausaufgabenbetreuung betraten, kam uns ein kleines Mädchen entgegen gerannt und umarmte uns direkt. Die Nonne erklärte mir: „Das ist die Schwierigste von allen – sie mag zwar die Kleinste sein, aber macht mehr Arbeit als drei der großen Mädchen zusammen.“ Dann drehte sie sich zu der Kleinen: „Setz dich wieder hin, Marina und mach deine Aufgaben!“So lernte ich Marina kennen, die an diesem Tag gerade 6 Jahre alt geworden war.

Was die Nonne mit „schwierig“ meinte, lernte ich in den darauf folgenden Wochen, denn es war meine Aufgabe Marina jeden Tag in den Kindergarten zu bringen und wieder abzuholen. Und das war oft nicht so einfach, wie es sich anhört, denn manchmal wollte Marina nicht mit mir mitgehen, sondern lieber noch weiter spielen, oder begann plötzlich mitten auf der Straße davon zu rennen, oder setzte sich plötzlich hin und wollte nicht mehr weitergehen. Außerdem kletterte sie manchmal ohne Vorwarnung in fremde Hauseingänge und auch von den Lehrern des Kindergartens, der in Bolivien wie eine Art Vorschule ist, musste, ich mir jeden Tag anhören, wie schlecht sich Marina benommen hatte und wie schwierig es ihr fällt zu lernen. Das änderte sich auch nicht, als Marina dann nach einem halben Jahr eingeschult wurde.

Was sich allerdings änderte, war die Beziehung zwischen mir und Marina, denn trotz allem Negativen, was die Erwachsenen mir über sie erzählten und trotz ihrer frechen Art, gewann ich dieses kleine Mädchen wirklich lieb und schloss sie in mein Herz. Und auch sie hatte mich immer lieber, was ich daran merkte, dass sie nach der Schule auf mich zugerannt kam, mich umarmte, versuchte an mir hochzuklettern und mich liebevoll „Mami“ nannte. Wir bauten eine wirklich enge Beziehung zueinander auf und ich entdeckte auch viele Seiten an ihr, die sehr positiv waren und in denen sie gar keine Probleme hatte – so konnte sie z.B. ohne viel Übung sehr gut turnen und machte, nachdem ich es ihr nur einmal gezeigt hatte, einen perfekten Handstand. Allgemein schien sie Dinge viel leichter zu lernen, wenn sie ihr Spaß machten und wenn sie diese ohne Zwang lernen konnte.

In dem Jahr, dass ich als Freiwillige im Heim verbrachte bauten wir eine wirklich besondere Beziehung zueinander auf und am Ende mussten, wir beide unglaublich weinen, als ich dann wieder zurück nach Deutschland gehen musste – und ich versprach ihr, sie auf jeden Fall wieder zu besuchen, was ich auch im darauffolgenden Jahr tat und auch dieses Jahr wieder tun werde. Außerdem entschied ich mich, für dieses besondere Mädchen, mit ihren besonderen Bedürfnissen eine Patenschaft zu übernehmen, damit ihr bezüglich ihrer Lernschwäche und auch bei ihren Problemen mit dem Wachstum die richtige Behandlung gegeben werden kann.

 

 

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