Bolivien

Die aktuelle Lage in Bolivien

Das letzte Jahrzehnt war für Bolivien eine vergleichsweise politisch und wirtschaftlich stabile Zeit. Dies ist sowohl
der politischen Kontinuität durch Evo Morales, als auch einem relativen wirtschaftlichen Wachstum durch die
Einnahmen aus dem Verkauf von Erdgas zuzuschreiben. Evo Morales regiert seit 2006 als erster indigener Präsident
des Landes. Er ist Sozialist und Repräsentant der Bewegung der Coca-Bauern.

2009 erreichte er eine wichtige Verfassungsänderung, die den Demokratisierungsprozess weiter vorantreiben sollte. Es stärkt v.a. die Rechte der indigenen Bevölkerung. Obwohl das Referendum von der Mehrheit der Bevölkerung angenommen wurde, zeigte es doch eine tiefe Spaltung des Landes, die bei dieser Abstimmung besonders zutage trat: Während das Referendum im Westen des Landes breite Zustimmung fand, so waren die Menschen im östlichen Teil des Landes, der media luna (Tarija, Santa Cruz, Beni, Pando und z.T. Chuquisaca) größtenteils dagegen. Dieser Teil Boliviens vertritt die Opposition zu Morales und ist wirtschaftlich viel stärker gestellt als der Rest des Landes. Klar ist, dass die Euphorie, mit der der Präsident zu Beginn seiner Amtszeit gefeiert wurde, abgekühlt ist. 2016 scheiterte Morales mit seinem Referendum für eine vierte Amtszeit – aktuell ist unklar, ob er dennoch die Absicht hat, 2019 zu kandidieren.

Unmut schürten 2016 auch diverse Unruhen: Es gab Proteste von Menschen mit Behinderung, die eine Rente der Würde forderten. Arbeiter von Enatex, einer staatlichen Textilfirma, die von der Regierung im Juni gekündigt wurden, demonstrierten gegen ihre Entlassung. Im August kam es aufgrund der Auseinandersetzung zwischen Minenarbeitern und der Regierung zu Protesten: Fünf Minenarbeiter und der Staatssekretär des Innenministeriums Rudolfo Illianes
kamen dabei ums Leben.

Mit der Wasserkrise im November 2016 wurde der nationale Notstand ausgerufen. Es gab Proteste in La Paz und Proteste auf Seiten der Bauern, die auf die Bewässerung ihrer Felder angewiesen sind. Sie warfen der Regierung Fehlplanung vor. Generell hat die bolivianische Bevölkerung, v.a. auf dem Land, mit den klimatischen Veränderungen zu kämpfen. Ein Beispiel dafür ist der Poopó-See in der Region Oruro. Der ursprünglich 3.000 Quadratkilometer große See schrumpfte in den vergangenen Jahren wegen ausbleibender Regenfälle zu einer Pfütze zusammen. Die Lebensgrundlage der Menschen, die v.a. in der Fischereibestand, ist in kurzer Zeit komplett verschwunden.

Im Bereich der Infrastruktur konnten in den letzten Jahren Fortschritte erreicht werden: der Bau von Straßen und Sportplätzen war eine der Prioritäten. Der technische Fortschritt im öffentlichen Nahverkehr wurde vor allem in den Städten weitergetrieben. So wurde in La Paz 2014 die Seilbahn in Betrieb genommen und weiter ausgebaut – nach Fertigstellung wird La Paz das größte Seilbahnnetz der Welt haben.

Im Bildungssektor konnte durch die Alphabetisierungsmaßnahmen eine wesentliche Verbesserung erreicht werden: Nach offiziellen Angaben verringerte sich die Analphabetenquote von 13,28% der Bevölkerung in 2001 auf 2,9% in 2016. Die UNESCO erklärte Bolivien 2014 zu einem Land ohne Analphabetismus.

Trotz mehrerer Bildungsprogramme und Verbesserungen der Ausstattung und Infrastruktur leiden die öffentlichen Schulen, besonders auf dem Lande, weiterhin unter materiellen, fachlichen und personellen Defiziten. Armut (laut Daten der Weltbank leben 38,6% der Bevölkerung in extremer Armut6), soziale Ungleichheit, eine hohe Mutter-Kind-Sterblichkeit, soziale Unsicherheit sind trotz aller Verbesserungen allgegenwärtig. Der Drogenhandel, die wachsende Macht der kriminellen Organisationen, Korruption und Gewalt sind noch immer ein
großes Problem.

Die wirtschaftliche Hoffnung konzentriert sich auf verhaltene Weise in der möglichen Förderung von Lithiumkarbonat im Salar de Uyuni. Als Grundstoff für besonders leistungsstarke Lithium-Ionen-Batterien, z.B. für Elektroautos, schürt der Mineralstoff große Erwartungen. Bereits 2018 soll der Abbau beginnen, aktuell überschlagen sich die Meldungen zu dem Thema. Die Auswirkungen auf das fragile Ökosystem des Salzsees sind jedoch unklar und es wäre sehr riskant, eine der touristisch interessantesten Regionen des Landes für den Lithiumabbau zu gefährden. Außerdem könnte die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Lithium die politische Stabilität gefährden.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Länderinformation Bolivien - Auswärtiges Amt

Deutsche Botschaft in La Paz

Bolivianische Botschaft in Deutschland

Länderseite Bolivien - GIZ

Bolivien - Wikipedia

Portal amerika21

Bolivien - Regierungsseite (spanisch)

Zeitungen in Bolivien (spanisch):

La Paz
http://www.eldiario.net
http://www.la-razon.com

Sucre
http://www.correodelsur.com/

Santa Cruz
http://www.elmundo.com.bo
http://www.eldeber.com.bo

Lateinamerikanachrichten (deutsch)

 

Stand: August 2017

 

 

 

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